Der ökologische Wandel der deutschen Wirtschaft verändert die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt. Wie neue Befragungsergebnisse des RWI zeigen, erwarten viele Beschäftigte zwar, dass sie durch diese Transformation ihre Kompetenzen erweitern müssen. Für die zurückliegenden zwei Jahre spielte die ökologische Transformation aus Sicht der Befragten jedoch keine große Rolle für berufliche Veränderungen. Über 60 Prozent der Befragten vertreten zudem die Auffassung, dass der ökologische Umbau der Wirtschaft beschleunigt werden sollte. …
Wir würden nicht nur Wohlstand, sondern auch Freiheit verlieren
Die Alternative für Deutschland (AfD) fordert den Austritt Deutschlands aus der EU. Dieser sogenannte Dexit würde einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge nicht nur Milliarden Euro Wertschöpfung kosten, sondern auch Millionen Arbeitsplätze in der Bundesrepublik vernichten.
Am 9. Juni findet in Deutschland die Wahl zum zehnten Europäischen Parlament statt. Bei der vergangenen Wahl 2019 stimmen die Briten noch mit ab, kurz danach verließen sie die EU. Geht es nach der AfD, würden es die Deutschen den Briten gleichtun – auf den Brexit soll der Dexit folgen. Welche Auswirkungen das für die deutsche Wirtschaft hätte, zeigt eine neue IW-Studie: Bereits nach fünf Jahren würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um schätzungsweise 5,6 Prozent geringer ausfallen. Der Verlust wäre vergleichbar mit dem der Corona- und Energiekrise zusammen. Innerhalb der ersten fünf Jahre würden der Bundesrepublik so 690 Milliarden Euro Wertschöpfung verloren gehen.
Millionen Arbeitslose und weniger Wohlstand als heute
Ein weiterer Effekt: Den IW-Schätzungen nach würden aufgrund des Dexits rund 2,5 Millionen Arbeitsplätze verloren gehen. Weil Deutschland als Exportnation stark vom Handel mit anderen Staaten abhängig ist, insbesondere anderer EU-Mitglieder, bekämen Unternehmen und Verbraucher die Folgen hierzulande deutlich zu spüren.
Nicht nur Wohlstand, sondern auch Freiheit
„Unsere Analyse zeigt, dass der Brexit kein nachahmenswertes Unterfangen ist“, sagt Studienautor und IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt. „Der Austritt hätte katastrophale Folgen für die Unternehmen, den Standort Deutschland und die Menschen hierzulande.“ Der Brexit und die negativen Erfahrungen seien eine Warnung für andere Mitgliedstaaten, die wirtschaftliche Integration leichtfertig aufzugeben. „Wir sollten auch nicht vergessen, dass es in der EU nicht nur um Wohlstand, sondern auch um Offenheit, Freiheit und Frieden geht“, so Bardt.
Im 2. Quartal 2019 setzte sich nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) der Anstieg der Erwerbstätigkeit fort. Mit 45,2 Millionen Erwerbstätigen, die ihren Arbeitsort in Deutschland hatten, wurde das Vorjahresniveau weiterhin überschritten. Im Vergleich zum 2. Quartal 2018 wuchs die Zahl der Erwerbstätigen um 435 000 Personen oder 1,0 %. Die Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahreszeitraum war damit im 2. Quartal etwas niedriger als im 1. Quartal 2019 (+1,1 %) und im 4. Quartal 2018 (+1,3%).
Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt schwächer als im Fünfjahresdurchschnitt
Gegenüber
dem 1. Quartal 2019 erhöhte sich die Zahl der Erwerbstätigen um 324 000
Personen (+0,7 %). Der Anstieg der Erwerbstätigkeit im 2. Quartal eines
Jahres ist durch die allgemeine Belebung von Außenberufen im Frühjahr
saisonal üblich. Die Frühjahrsbelebung fiel im Jahr 2019 verhaltener aus
als im Durchschnitt der letzten fünf Jahre (+423 000 Personen).
Saisonbereinigt, das heißt nach rechnerischer Ausschaltung der üblichen
jahreszeitlich bedingten Schwankungen, nahm die Erwerbstätigkeit im 2.
Quartal 2019 gegenüber dem Vorquartal um 50 000 Personen (+0,1 %) zu.
Selbstständige Tätigkeit weiterhin rückläufig
Immer
mehr Menschen nehmen in Deutschland eine abhängige Tätigkeit auf. Die
Zahl der Arbeitnehmer erhöhte sich im 2. Quartal 2019 im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum um 497 000 (+1,2 %) auf etwas über 41 Millionen
Personen. Dagegen setzte sich der Rückgang von selbstständiger Tätigkeit
weiter fort. Im 2. Quartal 2019 sank die Zahl der Selbstständigen
einschließlich der mithelfenden Familienangehörigen im Vergleich zum
Vorjahreszeitraum um 62 000 Personen (-1,5 %) auf 4,17 Millionen.
Dienstleistungsbereiche mit stärkstem Zuwachs
Zum
Anstieg der Gesamterwerbstätigenzahl gegenüber dem Vorjahreszeitraum
trugen auch im 2. Quartal 2019 überwiegend die Dienstleistungsbereiche
bei. Die größten absoluten Beschäftigungsgewinne innerhalb der
Dienstleistungsbereiche hatten die Öffentlichen Dienstleister,
Erziehung, Gesundheit mit +203 000 Personen (+1,8 %), gefolgt von dem
Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe mit +75 000 Personen (+0,7 %)
sowie dem Bereich Information und Kommunikation mit +41 000 Personen
(+3,1 %). Dagegen setzte sich der Abwärtstrend bei den Finanz- und
Versicherungsdienstleistern fort (-12 000 Personen; -1,1 %). Im Bereich
Unternehmensdienstleister, zu dem auch die Vermittlung und Überlassung
von Arbeitskräften gehört, sank erstmals seit 2009 die Zahl der
Erwerbstätigen um 16 000 Personen (-0,3%). Im Produzierenden Gewerbe
(ohne Baugewerbe) stieg die Zahl der Erwerbstätigen im 2. Quartal 2019
gegenüber dem Vorjahr um 84 000 Personen (+1,0 %), im Baugewerbe um 40
000 Personen (+1,6 %). In der Land- und Forstwirtschaft, Fischerei sank
die Erwerbstätigenzahl hingegen um 14 000 Personen (-2,1 %).
Arbeitsvolumen trotz mehr Erwerbstätigen unverändert
Die
Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden je Erwerbstätigen
sank nach ersten vorläufigen Berechnungen des Instituts für
Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit im
2. Quartal 2019 im Vergleich zum 2. Quartal 2018 um 1,0 % auf 328,3
Stunden. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen – also das Produkt aus
Erwerbstätigenzahl und geleisteten Stunden je Erwerbstätigen – betrug
im 2. Quartal 2019 wie im gleichen Zeitraum vor einem Jahr 14,8
Milliarden Stunden.
Neuberechnung der Zeitreihen zur Erwerbstätigkeit im Rahmen der Generalrevision 2019 der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen
Mit
der heutigen Veröffentlichung der Ergebnisse für das 2. Quartal 2019
legt das Statistische Bundesamt im Rahmen der Generalrevision 2019 der
Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) neuberechnete Zeitreihen ab
1991 zur Erwerbstätigkeit in Deutschland sowie der Arbeitszeit- und
Arbeitsvolumenrechnung des IAB vor.
Im Ergebnis führte die
Generalrevision 2019 der VGR bei der Erwerbstätigenzeitreihe zu einer
leichten Niveauanhebung. Über den gesamten Revisionszeitraum ab 1991
wurde die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland durchschnittlich um
rund 31 000 Personen (+0,1 %) nach oben revidiert. Die bisher geltenden
Aussagen über den konjunkturellen Verlauf der Erwerbstätigkeit in
Deutschland wurden dabei bestätigt. Für die Veränderungsraten der
Quartalsergebnisse gegenüber dem Vorjahr errechnet sich eine mittlere
absolute Revision von 0,1 Prozentpunkten.