Östliche Weisheit trifft auf westlichen Stress

Rezension: Urban Monk –

Der buddhistische Wegweiser für einen glücklichen Alltag

Buchcover Urban Monk

Das Buch „ Urban Monk“ von Pedram Shojai lag – im amerikanischen Original 2016 – nicht ohne Grund wochenlang auf Platz 1 der New York Times Bestseller-Liste.

Es besticht durch eine klare und humorvolle Sprache, die Lebenserfahrung und östliche Traditionen reflektierend vereint. Dazu wird nicht der Zeigefinger ausgefahren, sondern mit Leichtigkeit und einem inneren Lächeln über die Klippen des Alltags gehüpft. Übersichtlich aufgebaut und mit sehr nützlichen lnternet-links und Hinweisen zu weiterführendem Material, stellt der Autor in 10 Kapiteln seine Einsichten, Methoden und Erkenntnisse vor.

Der Leser lernt

  • die Kunst der Zeitbeherrschung
  • seinen Schlaf positiv zu beeinflussen
  • dem Stress zu entkommen
  • sich richtig zu ernähren
  • seinen Umgang mit Geld zu überprüfen
  • fokussiert und mit Energie zu leben
  • die Sinnfrage zu reflektieren

Anhand von detaillierten Beispielen aus seiner Praxis als Arzt, TCM Mediziner, Filmemacher und Qigong Meister gibt er Einblick in sein Erfahrungsfeld auf dem Gebiet der Heilung, Meditation und weiser Lebensführung.

Ebenso fließen seine Erfahrungen ein als Gründer der weltweiten Organisation WELL.org, die auf dem Gebiet der Selbsthilfe von Menschen und Communities im „Symbiotischen Kapitalismus“ Unterstützung liefert. Bei diesen Projekten geht es um sauberes Wasser, nachhaltigen Ackerbau und Medizin.

Die Kapitel starten jeweils mit einer „Geschichte“ aus der Praxis des Autors, die das Thema umreißt. Dann wird das „Problem“ analysiert. Danach folgen „Weisheiten eines Urban Monk“, die philosophische Aspekte und „östliche Praktiken“ aus vielen alten Kulturen aufzeigen. In „Tipps für unsere Gegenwart“ bietet er praktische Übungen, Apps und kurze Videos an, aus denen der Leser sich bedienen kann.

Am Ende jedes einzelnen Kapitels gibt es einen „Aktionsplan“, der aufzeigt, welche Maßnahmen zur Lösung des Problems führten.

Hier greift er die Jahrtausende alte taoistische Weisheit auf, dass sich alte Muster durch das Einüben neuer Muster nach ca. 90 Tagen selbst auflösen.

Diese Erkenntnis wird auch durch wissenschaftliche Forschungen unserer Tage belegt, die im Hochleistungssport und bei exzellenter Performance zur Anwendung kommt.

Dies Buch kann ich jedem empfehlen, der sich und seinem nächsten Umfeld eine Freude auf dem Weg zur persönlichen Meisterschaft bereiten möchte – nicht nur in der Vorweihnachtszeit.

Hans-Josef Hinken

Urban Monk erschienen im Ullstein Verlag

  • Heilung Spiritualität Lebenshilfe
  • Hardcover
  • 384 Seiten
  • The Urban Monk. Eastern Wisdom and Modern Hacks to Stop Time and Find Success, Happiness, and Peace
  • Aus dem Amerikanischen übersetzt von Antje Korsmeier.
  • ISBN-13 9783793423140
  • Erschienen: 08.09.2017

Pedram Shojai

Pedram Shojai ist ehemaliger taoistischer Mönch, Qi Gong-Meister, TCM-Mediziner, Kräuterheilkundler und Filmemacher. Als Gründer der Organisation Well.org gibt er weltweit Seminare. Mit seinem modernen Ansatz erklärt er östliche und ganzheitliche Konzepte für westliche Leser auf einfache und verständliche Weise. Er lebt mit seiner Familie in Kalifornien. www.theurbanmonk.com

Wussten Sie schon, dass Stress ansteckend ist?

Dein Stress ist auch mein Stress

Dr Harald Rösch Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Allein das Beobachten stressiger Situationen kann eine körperliche Stressantwort auslösen

Stress ist ansteckend. Es kann ausreichen, eine andere Person in einer stressigen Situation zu beobachten, damit der eigene Körper das Stresshormon Kortisol ausschüttet. Zu diesen Ergebnissen kommen Wissenschaftler in einem groß angelegten Kooperationsprojekt zwischen den Abteilungen von Tania Singer am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und Clemens Kirschbaum von der Technischen Universität Dresden. Empathischer Stress trat besonders häufig auf, wenn Beobachter in einer Paarbeziehung zu der gestressten Person standen und das Geschehen direkt über eine Glasscheibe verfolgen konnten. Aber auch wenn fremde Personen lediglich auf einem Bildschirm zu sehen waren, versetzte das einige Menschen in Alarmbereitschaft. In unserer von Stress geprägten Gesellschaft ist dieser empathisch vermittelte Stress ein nicht zu vernachlässigender Faktor für das Gesundheitswesen.

Stress ist heutzutage einer der wichtigsten Krankheitsauslöser. Er verursacht verschiedene psychische Probleme wie Burn-out, Depression oder Angstzustände. Selbst wer ein relativ entspanntes Leben führt, kommt ständig mit gestressten Personen in Berührung. Ob bei der Arbeit oder im Fernsehen: Irgendwer hat immer gerade Stress, und dieser kann auf die Umwelt abfärben. Nicht nur gefühlt, sondern auch körperlich messbar als erhöhte Konzentration des Stresshormons Kortisol.

„Dass wir diesen empathischen Stress in Form einer bedeutsamen Hormonausschüttung wirklich messen konnten, war schon erstaunlich“, sagt Veronika Engert, eine der Erstautorinnen der Studie. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es in vielen Untersuchungen nicht gelingt, das Stresssystem mittels direkt erlebtem Stress zu aktivieren. Empathische Stressreaktionen konnten unabhängig („stellvertretender Stress“) oder proportional („Stressansteckung“) zu den Stressreaktionen der aktiv gestressten Probanden sein. „Es scheint also eine Möglichkeit der Übertragung zu geben, die abhängig vom Empfinden anderer eine Stressantwort bei uns auslöst.“

Beim Stresstest mussten die Probanden mit schwierigen Kopfrechenaufgaben und Vorstellungsgesprächen kämpfen, während zwei vermeintliche Verhaltensanalysten ihre Leistung beurteilten. Nur fünf Prozent der direkt gestressten Probanden ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, alle anderen zeigten eine physiologisch bedeutsame Erhöhung des Kortisol-Spiegels.

Insgesamt zeigten 26 Prozent Beobachter, die selbst keinerlei Stress ausgesetzt waren, einen physiologisch bedeutsamen Anstieg von Kortisol. Der Effekt war besonders stark, wenn Beobachter und gestresste Person eine partnerschaftliche Beziehung verband (40 Prozent), aber auch bei völlig fremden Menschen sprang der Stress immerhin noch auf zehn Prozent der Beobachter über. Emotionale Verbundenheit ist demzufolge keine Voraussetzung für empathischen Stress.

Konnten die Beobachter das Geschehen direkt verfolgen, reagierten 30 Prozent gestresst. Aber selbst wenn der Stresstest nur auf dem Bildschirm flimmerte, reichte das aus, um bei 24 Prozent der Beobachter die Kortisol-Spiegel in die Höhe zu treiben. „Das bedeutet, dass selbst Fernsehsendungen, die mich mit dem Leid anderer konfrontieren, den Stress auf mich übertragen können“, sagt Engert. „Stress hat ein enormes Ansteckungspotential.“

Ein Problem ist Stress vor allem dann, wenn er chronisch wird. „Eine hormonelle Stressreaktion hat evolutionär natürlich auch einen Sinn. Wenn sie einer Gefahr ausgesetzt sind, dann wollen sie auch, dass ihr Körper mit einem Anstieg des Stresshormons reagiert“, erklärt Engert. „Aber konstant erhöhte Kortisol-Werte sind nicht gut. Auf Dauer leiden darunter z.B. das Immunsystem und die Nervenzellen.“ Von potenziell schädlichen Konsequenzen empathischen Stresses sind daher besonders Menschen in Helferberufen oder Angehörige dauergestresster Personen betroffen. Wer ständig direkt mit dem Leid und Stress anderer konfrontiert wird, der hat ein erhöhtes Risiko auch selbst darunter zu leiden.

Mit einem anderen Vorurteil räumen die Ergebnisse hingegen auf: Männer und Frauen reagierten gleich häufig mit empathischem Stress. „Auf Fragebögen schätzen Frauen sich als empathischer ein, als Männer dies tun. Bisher konnte das jedoch noch in keinem Experiment, das objektive biologische Marker verwendete, nachgewiesen werden.“ Zukünftige Studien sollen zeigen, wie genau der Stress übertragen wird und was getan werden kann, um den negativen Einfluss von Stress auf die Gesellschaft zu verringern.

Originalpublikation:
Engert, V., Plessow, F., Miller, R., Kirschbaum, C., & Singer, T.
Cortisol increase in empathic stress is modulated by social closeness and observation modality.
Psychoneuroendocrinology, 17. April 2014

Anmerkung:

Stress und Burnout gehen oft eine ungute Verbindung für den Betroffenen ein. Leider warten viele Menschen, besonders im Management, zu lange, ehe sie aktiv etwas für ihre Gesundheit tun. Ein qualifieziertes Coaching – wie es von Hans-Josef Hinken angeboten wird, kann dabei helfen, den Stress abzubauen. Für mehr Erfolg im Beruf und mehr Zufriedenheit im Privatleben.