Vortragsreihe: Wirklichkeit in der Kunst

Vortragsreihe der Kunstwissenschaftlichen Gesellschaft und des Kunstgeschichtlichen Instituts der Universität Freiburg in Verbindung mit dem Studium Generale im Wintersemester 2016/17

Ist das noch Kunst, ist das schon Wirklichkeit?

Kreativtage in Bad Reichenhall 2014
Aufgenommen bei den Kreativtagen in Bad Reichenhall 2014

Im letzten Semester hatten wir Künstler zu Gast (Wochenklausur, Zentrum für politische Schönheit, Lukas Matthaei), deren Arbeiten als Kunst nicht unbedingt zu erkennen sind. In diesem Semester stellt Daniel Wetzel die Arbeit seiner Theatergruppe Rimini Protokoll vor. Rimini Protokoll war 2015 mit „Qualitätskontrolle“ in Freiburg, mit einer Arbeit mit einer wirklich querschnittsgelähmten Darstellerin.

Am 03.11.2016 startet eine Vortragsreihe zu realitätsnahen künstlerischen Formen

Andere Arbeiten luden Zuschauer in eine (echte) Aktionärssitzung ein, machten seltsame (tatsächliche) Gänge mit Kopfhörern durch Berlin möglich oder holten (wirkliche) Muezzine nach Zürich. Zuletzt waren in Freiburg in „Evros Walk Water“ authentische Flüchtlinge zu hören und Instrumente mit Wasser de facto zu spielen. – Rimini Protokoll ist ein Fall von der neuen Kunst, die nicht mehr nur in Kunstinstitutionen stattfindet und die Wirkliches in die Kunstinstitutionen holt. Weil bei zeitgenössischer Kunst oft schlecht zu entscheiden ist, wo die Grenze zwischen Kunst und Nichtkunst ist, haben auch professionelle Rezipienten echte Probleme.

Wie ist mit dieser Kunst umzugehen? Gibt es sinnvolle Methoden? Wie ist das Neue überhaupt zu vermitteln? Was ist da Qualität? Wie ist der Kontext? Die Kunstkritiker Hans Joachim Müller oder Georg Imdahl verfolgen aktuelle Probleme und nehmen zu neuer Kunst immer neu in einzelnen Rezensionen und auch in Überblicken Stellung, sie machen sie einem größeren Publikum zugänglich. Kuratoren wie Vanessa Joan Müller gehen mit der aktuellen Kunst um, sie wählen aus und präsentieren. An den Universitäten, in der Kunstwissenschaft, müssen noch neue Umgangsformen gefunden werden. Hans Dieter Huber arbeitet an den Rändern der klassischen Kunstgeschichte und fragt gerade für neue Kunst nach neuen Zugangsweisen. Wir beschäftigen uns im Wintersemester 2016/17 mit diesen Facetten dieser neuen Kunst, die mit großem Anspruch neu auftritt.

Donnerstag 03.11.2016 Hans Joachim Müller (Journalist, Freiburg)
Kunst als Handlungsform
Donnerstag 24.11.16 Vanessa Joan Müller (Kunsthalle Wien)
Neue Kunst ausstellen
Donnerstag 01.12.16 Hans Dieter Huber (Akademie der Bildenden Künste Stuttgart)
Irritationserwartungen in der Kunst
Donnerstag 22.12.16 Daniel Wetzel – Rimini Protokoll (Theater Berlin)
Donnerstag 09.02.17 Georg Imdahl (Kunstakademie Münster)
Realität Kunst

 

Gratis-Eintritt in die Fondation Beyeler für alle unter 25 Jahren

August mit Gratis-Eintritt für alle unter 25 Jahren

Marlene Dumas Amy - Blue, 2011 Öl auf Leinwand, 40 x 30 cm National Portrait Gallery, London, Ankauf 2011 © Marlene Dumas Foto: Alex Delfanne
Marlene Dumas
Amy – Blue, 2011
Öl auf Leinwand, 40 x 30 cm
National Portrait Gallery, London, Ankauf 2011
© Marlene Dumas
Foto: Alex Delfanne

Im Rahmen ihres Engagements für die Vermittlung von Kunst an ein jugendliches Publikum lädt die Fondation Beyeler ab Samstag, 1. August alle unter 25-Jährigen einen Monat lang, bis einschliesslich Montag, 31. August gratis ins Museum ein. Auf dem Programm stehen Meisterwerke der Moderne und der Gegenwart: Die Retrospektive „Marlene Dumas“; die neue Präsentation der Sammlung mit dem Picasso-Raum; die „Alexander Calder Gallery III“; „Robert Ryman, Sammlung Daros“ und die Arbeit von Tobias Rehberger „1661-1910 from Nagasaki, Meiji, Setti“ im Renzo Piano-Saal.

In einer Video-Reihe liest Marlene Dumas aus ihrem Buch „Sweet Nothings“, Singer-Songwriter Sophie Hunger und Schauspielerin Bettina Stucky lesen ihrerseits für die Video-Reihe Auszüge aus Texten der Künstlerin.

Die in Südafrika aufgewachsene und seit Mitte der 70er Jahre in Amsterdam tätige Malerin Marlene Dumas gehört zur Spitze der internationalen Kunstszene. Die umfassende Retrospektive in der Fondation Beyeler ist eine Kooperation mit dem Stedelijk Museum in Amsterdam und der Londoner Tate Modern. Der Fokus liegt auf der menschlichen Figur und auf dem Porträt.
Menschen wie du und ich, aber auch Bekannte, befreundete Künstler, die eigene Familie und Prominente werden bei Marlene Dumas zum Modell. Auch bei Popkultur, Literatur oder Politik bedient sich die Malerin und setzt mit fesselnden Porträts berühmte Namen wie Amy Winehouse, Pedro Almodóvar, Ingrid Bergman, Werner Fassbinder, Osama Bin Laden oder Patti Smith in Szene.

Video-Reihe: Marlene Dumas liest aus „Sweet Nothings“
In Verbindung mit der Ausstellung gilt es eine ungewohnte Seite von Marlene Dumas zu entdecken, nämlich ihre Beschäftigung mit Literatur. In einer Reihe von kurzen Videos, die ab sofort auf der Homepage der Ausstellung zu sehen sind, liest die Künstlerin selbst aus ihrer Text-Sammlung „Sweet Nothings“. Humorvoll, provokant, nachdenklich, rebellisch thematisiert sie Kunst sowie persönliche Erlebnisse. Die Videos werden nach und nach auf den Social Media-Kanälen der Fondation Beyeler gepostet (Facebook; Twitter; YouTube und Instagram).
Dumas hat in den letzten dreissig Jahren eine grosse Anzahl von Texten verfasst, darunter sind Statements, poetische Fragmente und  Essays. Sie verwendet unterschiedliche literarische Formen und beschäftigt sich mit eigenen Werken und Themen wie Identität, Menschsein, Liebe und Tod. Auch über andere Künstler und Kunstwerke, private und öffentliche Ereignisse, über den Kunstbetrieb und ihre Rolle als Künstlerin reflektiert Dumas, um letzten Endes mit ihren eigenen Worten etwas über das Wesen von Kunst zu sagen. Zum ersten Mal wurden diese Texte 1998 unter dem Titel «Sweet Nothings. Notes and Texts» zusammengetragen und herausgegeben, seit 2014 liegen sie in einer erweiterten und überarbeiteten Fassung in englischer Sprache vor.

Fortsetzung der Video-Reihe „Sweet Nothings“ mit Bettina Stucky und Sophie Hunger
Marlene Dumas‘ witzige und pointierte Lektüre aus den eigenen Texten inspirierte wiederum zwei weitere prominente Frauen zu weiteren Lesungen aus „Sweet Nothings“: Singer-Songwriter Sophie Hunger und Schauspielerin Bettina Stucky. Sophie Hunger, die im Frühjahr 2015 ihr neues Album „Supermoon“ präsentierte, gelang mit ihrer Band den ersten Schweizer Auftritt am prestigeträchtigen Glastonbury Festival. Die Bernerin Bettina Stucky ist Film- und Theaterschauspielerin, u.a. arbeitete sie mit den Regisseuren Jossi Wieler, Luk Perceval, Anna Viebrock und Frank Castorf und ist seit der Spielzeit 2013/14 Ensemble-Mitglied am DeutschenSchauSpielHausHamburg.

Vortrag mit Marlene Dumas
Am Freitag, 14. August, wird Marlene Dumas um 18:30 Uhr im Rahmen der Ausstellung in der Fondation Beyeler einen Vortrag halten. Der Vortrag ist in englischer Sprache, die Veranstaltung ist im Museumseintritt inbegriffen.

Die Aktion und das Rahmenprogramm der Ausstellung

Unter 25-Jährige erhalten Gratis-Eintritt in die Fondation Beyeler
Von Samstag, 1. August bis einschliesslich Montag, 31. August, gilt für alle Ausstellungen*
(*Robert Ryman, Sammlung Daros“ ist bis 30. August zu sehen)
Kostenloser Eintritt mit gültigem Personalausweis. Ausgenommen Veranstaltungen, die nicht im Eintrittspreis inbegriffen sind.

Video-Reihe mit Lesungen aus „Sweet Nothings“ mit Marlene Dumas; Sophie Hunger und Bettina Stucky:
Ab sofort auf der Homepage des Museums, Link: www.fondationbeyeler.ch/sweet-nothings und sukzessive auf den Social Media-Kanälen Facebook, Twitter, youtube und Instagram.

Vortrag von Marlene Dumas
Freitag, 14. August 2015 um 18:30 Uhr in der Fondation Beyeler
Der Eintritt ist im Museumseintritt inbegriffen

Sommerfest der Fondation Beyeler
Am Höhepunkt des Sommers feiert die Fondation Beyeler zusammen mit dem Kulturbüro Riehen das traditionelle Sommerfest im Museum und im Park: am Samstag, 15. August 2015 durchgehend von 10 Uhr bis 22 Uhr. Das Workshop- und Führungsprogramm dreht sich um die laufende Ausstellung „Marlene Dumas“, zum Sonnenuntergang wird der Live-Auftritt von „Skye & Ross“ (Morcheeba) für den perfekten Sound sorgen. Für Kunst- und Musikfans verspricht der Samstag, 15. August 2015 ein langer, schöner und entspannter Sommertag in der Fondation Beyeler und im Berower Park zu werden. All dies für einen stark reduzierten Eintrittspreis von CHF 10.- (statt CHF 25.-).

Fokus-Führungen zur Ausstellung „Marlene Dumas“:
Prof. Dr. Ralph Ubl: “Missing Picasso”
Prof. Dr. Ralph Ubl, Professor für Neuere Kunstgeschichte an der Universität Basel, beleuchtet das Schaffen der Künstlerin unter dem Aspekt der Kunstgeschichte.
Mittwoch, 19. August 2015, 18.30 Uhr
Michèle Roten: „The Kiss“
Michèle Roten, Schweizer Journalistin und Buchautorin, spricht über die Arbeiten von Marlene Dumas mit dem Fokus Kultur und Gesellschaft.
Am Mittwoch, 26. August 2015, 18.30 Uhr

Bayer Special Nights Marlene Dumas
Jeweils Mittwoch, 18.00–20.00 Uhr
12. August 2015
26. August 2015
Geniessen Sie freien Eintritt in die Marlene Dumas Ausstellung jeweils am 2. und 4. Mittwoch des Monats.
Preis: Gratis (bei einer Bestellung via Reservix fällt eine Bearbeitungsgebühr von 1,80 Sfr pro Eintrittsticket an). Eintrittstickets sind an der Museumskasse sowie über Reservix erhältlich und auf 350 Tickets pro Abend limitiert.

“Bittersweet”: Tanzinteraktion mit Choreograph Ed Wubbe (Scapino Ballet Rotterdam)
Donnerstag, 27. August 2015, 4 Sets in der Ausstellung à je ca. 10 Minuten um 13.00, 14.00, 16.00 und 17.00 Uhr
Mit „Bittersweet“ zeigt Ed Wubbe eine tänzerische Interaktion in der Ausstellung „Marlene Dumas“. Als künstlerischer Direktor des Scapino Ballet Rotterdam zählt er zu den namhaftesten Choreografen der Niederlande.
Veranstaltung im Museumseintritt inbegriffen.

ARTisFACTION. Joseph meets DJane

Kunst und Party für junge Besucher
am 24. April ab 20 Uhr in der Pinakothek der Moderne

image004ARTisFACTION, die erste Party, die sich speziell an junge Besucher der Pinakothek der Moderne richtet, war nur 3 Stunden nach Eröffnung des Vorverkaufs an der Museumskasse ausverkauft.
Nach über 6000 Anmeldungen bei Facebook konnten wir leider nur einen Bruchteil der Interessenten mit Eintrittskarten zufriedenstellen, denn leider darf die Pinakothek aus Brandschutzgründen nicht mehr als 800 Besucher zulassen.
Die Stiftung der Pinakothek der Moderne wie auch die Veranstalter werden baldmöglichst eine Fortsetzung von ARTisFACTION erarbeiten und die weiteren Termine mitteilen.
Bitte weisen Sie ihre Leser/ Hörer darauf hin. Herzlichen Dank.

Die Pinakothek der Moderne kann gerade für junge Besucher ein außergewöhnlicher Erlebnisort werden – vorausgesetzt, sie finden ihren Weg dorthin und einen Zugang zu den Exponaten. Auf Initiative der Stiftung Pinakothek der Moderne entwickelt das Museum seit gut zwei Jahren neue Angebote im Bereich der Kunstvermittlung und richtet sich mit einem neuen Format nun gezielt an Jugendliche und junge Erwachsene: »ARTisFACTION. Joseph meets DJane« ist eine Nacht in der Pinakothek der Moderne, bei der es um Kunst geht, aber auch die Party nicht zu kurz kommt.
Das Konzept des Abends basiert auf den Elementen Interaktion, Innovation und Intervention und bietet ein abwechslungsreiches Programm im Verlauf des Abends:

Von 20 bis 24 Uhr geben junge ARTisFACTORS in den Räumen der Klassischen Moderne und in der Ausstellung »ZOOM!« Auskunft zu den Exponaten bzw. der Ausstellung.

Die Videokünstlerin Betty Mü, unterstützt von Hiltmeyer.Inc., bespielt die 12 Pfeiler der Rotunde per Videomapping. Diese visuelle Kunst gleicht einer Videoperformance. Über den ganzen Abend werden die Videoinhalte der Installation live zu dem Music LineUp gemischt.

Die DJ’s Baal, Liza, Glaskin und Essika verwandeln die Rotunde mit vielfältigen Klangfarben und pulsierenden Bässen in Club-Atmosphäre und erweiterten den Raum für Emotionen und Tanz.

Einige aktuelle Ausstellungen wie beispielsweise »Creating Realities« können in Form von Projektionen an den Wänden des Wintergartens der Pinakothek der Moderne erlebt werden. Eine besondere Möblierung verwandelt diesen Raum zudem in eine zum chillen und chatten einladende Lounge.

»Board Trade«, eine Versteigerung von bemalten Skateboard-Decks, gehört zu den  weiteren Programmpunkten des Abends. Bei den Geboten zählt ausschließlich die Kreativität: Geboten werden können Aktivitäten wie ein gemeinsames Kocherlebnis, ein Abend durch die Lieblingsclubs, Klettern in den Alpen etc., Dienstleistungen oder selbst gemachte Produkte. Die Entscheidung, welches Gebot den Zuschlag erhält, treffen die Künstler, die die Skatedecks zur Verfügung stellen.

Ein weiteres Element der Interaktion ist ein Fotoautomat, in dem sich die Besucher alleine oder mit Freunden fotografieren lassen können. Das  Foto kann dabei mit einem Kommentar zum Abend an einer Feedbackwand hinterlassen werden.
Ein Rätsel zum Setzkasten am Eingang des Designmuseum Die Neue Sammlung rundet das nächtliche Programm ab.

ARTisFACTION wird durch die Stiftung Pinakothek der Moderne, private Förderer und mit freundlicher Unterstützung der Dr. Rudolf und Christa Castringius Kinder- und Jugend-Stiftung München ermöglicht.

Einlass ab 20 Uhr | Ende 2 Uhr

Geschulte Erzähler, geübte Sammler, geschickte Vermarkter

Mit „museOn“ startet eine im deutschsprachigen Raum einmalige Weiterbildung für die Arbeit in Museen und Sammlungen

Auftaktworkshop des Programms „museOn - weiterbildung & netzwerk“ an der Universität Freiburg. Foto: Uwe Nüssle
Auftaktworkshop des Programms „museOn – weiterbildung & netzwerk“ an der Universität Freiburg. Foto: Uwe Nüssle

Wie können sich Museen im digitalen Zeitalter präsentieren? Was macht eine gute Sammlung aus? Und wie gelingt es Museen, eine breite interkulturelle Zielgruppe zu erreichen? Solche Fragen will das neue Weiterbildungsprogramm „museOn – weiterbildung & netzwerk“ der Albert-Ludwigs-Universität behandeln. Mit dem Angebot präsentiert die Universität Freiburg eine in Deutschland, Österreich und der Schweiz einmalige wissenschaftliche Weiterbildung. Sie richtet sich an Berufstätige und soll in den kommenden Jahren im Verbund von Universität und Museen entwickelt werden.

Die Weiterbildung ist auf die Anforderungen der Lernenden ausgerichtet und hat ein innovatives didaktisches Konzept: Mit einem Schwerpunkt auf der Online-Lehre und ergänzt durch Präsenzphasen in ausgewählten Museen können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Arbeitszeit individuell einteilen. Bis 2018 wird das gesamte Programm erarbeitet, die ersten Studierenden können zu Beginn des Jahres 2016 die ersten Module testen. Ab 2018 sollen mehr als 50 Angebote zur Auswahl stehen, die die Teilnehmer nach ihren persönlichen Interessen und Bedürfnissen frei kombinieren können – von Objektlagerung und medialer Wissensvermittlung über Optimierung von Besucherlebnissen und Fundraising bis hin zu Museumsethik und Krisenmanagement. Ein besonderes Augenmerk wird auf der Digitalisierung der Museumsarbeit liegen. Die Einheiten werden nach dem Blended-Learning-Prinzip unterrichtet, einer Mischung aus Selbstlernphasen mit Online-Materialien und Präsenzphasen. Wichtig wird darüber hinaus die digitale Vernetzung der Lernenden mit den Dozierenden sein.

Eine ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis sichert zudem die Qualität des Programms: Innerhalb der Universität ist das Weiterbildungsangebot an der Klassischen Archäologie, der Archäologischen Sammlung sowie am Kunstgeschichtlichen Institut angesiedelt. Beteiligt sind auch die Städtischen Museen Freiburg. „museOn“ kooperiert ferner mit renommierten regionalen und überregionalen Institutionen. Dazu gehören unter anderem das Badische Landesmuseum Karlsruhe, die Fondation Beyeler, das Historische Museum Basel, das Vitra Design Museum sowie die Ausstellungsagentur TRIAD, der Logistikspezialist hasenkamp und der Bibliotheksservice Baden-Württemberg.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert die Freiburger Akademie für Museums-, Ausstellungs- und Sammlungswissen – FRAMAS als Träger des Programms „museOn“ im Wettbewerb „Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen“. Knapp 1,2 Millionen Euro stehen für eine Laufzeit von zunächst dreieinhalb Jahren zur Verfügung, um das Programm zu entwickeln. Für die zweite Förderphase sind zweieinhalb Jahre vorgesehen. Das Weiterbildungsangebot bietet unterschiedliche Abschlüsse – je nachdem, welche Module die Studierenden kombinieren, können sie entweder eine einfache Teilnahmebescheinigung, das akademisch anerkannte Certificate of Advanced Studies (CAS) oder ein Diploma of Advanced Studies (DAS) erwerben. Darüber hinaus wird das Team das Angebot zu einem Master of Advanced Studies (MAS) entwickeln.

Weitere Informationen:

www.museon.uni-freiburg.de

KASPAR – ein Sprechstück von PETER HANDKE am Berliner Ensemble

Der Geruch von frischem Tannenholz und Lack erfüllt den Pavillon des BE und der Blick in den abgedunkelten Raum schweift über einen Berg von Tischen – getürmt, gewürfelt und verschachtelt. Umgeben von einer Sitzrunde aus 100 nackten Holzstühlen, auf denen die Zuschauer ihr Sitzfleisch trainieren. Karg halt. Das kongeniale Bühnenkonzept entwarf Johannes Schütz.

Inmitten des Holzhaufens taucht langsam eine Hand auf und die Tische beginnen, sich schabend und knarzend zu bewegen. Dann ein Arm und ein Schuh – in Zeitlupe gefolgt von einem Bein. Am Ende steht ein ganzer Mensch zwischen dem Gewirr aus Holz-Tischbeinen. Kaspar im Feinripp-Unterhemd, schwarzer Hose und Hipster-Wollmütze.

Ein Satz erfüllt den Raum, zunächst kaum hörbar, fast zärtlich, dann anschwellend bis hin zum Schrei: „Ich möcht ein solcher werden wie einmal ein andrer gewesen ist.“ Dieser Satz bestimmt für 20 Minuten die Szene, bis plötzlich einer der Zuschauer sich verbal einmischt – einer von 6 „Einsagern“, die mit Zurufen, Satzpassagen und Chorfragmenten eine dialogische Struktur des Textes entwickeln.

Sehr hautnah und ergreifend wird die sprachliche Entwicklung des Kaspar Hauser von 1828 nachvollziehbar, die Peter Handke Ende der 60er Jahre in seinem Sprechstück niederschrieb. Er sieht KASPAR als „ mythische Figur, nicht nur interessant schlechthin, sondern ein Modell von Menschen, die nicht zurecht kommen mit sich selber und der Umwelt, die sich isoliert fühlen. Er hat mich sehr fasziniert.“ (Programmheft Nr. 168 zur Premiere am 21.2.2015) Für Handke war die Arbeit am Text KASPAR seine Initiation als Theaterautor. Ihm ging es nicht darum, die Wirklichkeit im Nacherzählstrang abzubilden, sondern mit den Wörtern und Sätzen der Wirklichkeit zu spielen. Für ihn stellen sich Fragen wie:

–       Wie redet man miteinander ?

–       Wie wird mit Reden Macht ausgeübt ?

–       Wie wird jemand durch Sprechen zum Sprechen gebracht ?

–       Wie ist das Verhältnis von Konstruktion, Konkretion und Abstraktion?

Der junge Regisseur Sebastian Sommer inszeniert das Handke Stück wie einen Ordnungsversuch, sich über Sprache Welt anzueignen.

Zunächst über Wortfetzen, einzelne Worte, Satzfragmente bis hin zu ganzen Sätzen.

Parallel dazu lässt er den Schauspieler Jörg Thieme sich an dem Tischgewirr abarbeiten, über gewagte Satz- und Tischkonstruktionen klettern und diese in einem Akt von Ordnungswahn zu einer zweiten Bühne aufbauen.

Eine sichtbare Metaebene entsteht, zu der sich zunächst die anderen 6 KollegInnen gesellen, und nach und nach Dreiviertel der Zuschauer von KASPAR an die große Tafel geladen werden.

Eine geniale Spielidee, die fulminant durch den athletischen und sprechakrobatischen Protagonisten und seine Mitstreiter umgesetzt wird.

Erneut ein Theaterabend am Berliner Ensemble, der magnetisch anziehend wirkt und die Zuschauer definitiv in seinen Bann gezogen hat. Man bekam direkt Lust, mit zu spielen.

Die nächsten Termin: 15. April und 06. Mai 2015

KASPAR
von Peter Handke

Mit: Jörg Thieme (Kaspar), Claudia Burckhardt (Einsager), Ursula Höpfner-Tabori (Einsager), Boris Jacoby (Einsager), Nadine Kiesewalter (Einsager), Marko Schmidt (Einsager), Thomas Wittmann (Einsager)

Regie: Sebastian Sommer
Bühne und Kostüme: Johannes Schütz
Dramaturgie: Steffen Sünkel
Licht: Ulrich Eh
Sounddesign: Knut Jensen

Dauer: ca. 1h 30 Minuten (keine Pause)

Nette Geste zu Ostern: Kostenfreie Kinder-Audioguides in der Fondation Beyeler

 Als kleine Überraschung zum bevorstehenden Osterfest bietet die Fondation Beyeler ab sofort kostenfrei die Audioguides für Kinder zur Ausstellung „Paul Gauguin“.

Impression vom Familientag „Peter Doig“, Infodesk der Fondation Beyeler, Foto: Mathias Mangold
Impression vom Familientag „Peter Doig“, Infodesk der Fondation Beyeler, Foto: Mathias Mangold

Erstmalig realisierte das Museum in Riehen/Basel anlässlich der Ausstellung „Paul Gauguin“ Audioguides für Kinder. Die Kinder-Audioguides sind ab sofort kostenlos, sie können beim Ausstellungsbesuch am Infodesk abgeholt werden. Die Kinder-Audioguides wurden für Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren produziert und sind in deutscher Sprache verfügbar. Der kindergerechte Rundgang durch die Ausstellung dauert mit dem Audioguide ca. 30 Minuten.

Der Audioguide für Kinder startet mit Gauguins berühmtem Selbstbildnis mit Palette, (um 1893/94). Er besteht aus einem kurzen Einführungstext zum Künstler und seiner Geschichte und beleuchtet auf informative und altersgerechte Weise acht weitere Meisterwerke aus der Ausstellung. So lernen Kinder Gauguins eigenwilligen, revolutionären Umgang mit Farbe kennen, werden mit einigen seiner Werke aus verschiedenen Epochen und Gegenden, wie der Bretagne, Tahiti oder den Marquesas-Inseln bekannt gemacht oder erhalten Informationen über die Rolle der Tiere in den Gemälden des Künstlers. Der Kinder-Audioguide wurde von iart in Absprache und in Zusammenarbeit mit der Fondation Beyeler realisiert.

Die Fondation Beyeler wendet sich mit ihren temporären Ausstellungen, den Sammlungspräsentationen und dem Begleitprogramm zu den Ausstellungen an ein breites Publikum und will insbesondere auch das Interesse von Kindern und jungen Menschen für die Kunst wecken. Dies war den Gründern, dem Basler Kunstsammlerpaar Ernst und Hildy Beyeler, ein besonderes Anliegen, das das Museum kontinuierlich verfolgt.

Demnächst wird auch der Familientag zur Ausstellung „Paul Gauguin“ stattfinden: Am Sonntag, 10. Mai 2015, werden Workshops, kinder- und jugendgerechte Führungen in mehreren Sprachen und Museumsspiele für die ganze Familie angeboten.

Die Produktion des Kinder-Audioguides wurde durch die Freunde der Fondation Beyeler grosszügig unterstützt, insbesondere durch: Martin Bisang und Mirjam Staub-Bisang, Jürg und Catherine Geigy, Gustav E. und Annetta Grisard, Alfred und Mamuka Bliadze Kornfeld, Rudolf und Valeria Maag.

Fondation Beyeler meldet erste Erfolge der Paul Gauguin-Ausstellung

Die Ausstellung „Paul Gauguin“ ist spektakulär angelaufen –

image006bereits in der dritten Woche nach Eröffnung sahen über 50‘000 Besucher Gauguins Meisterwerke in der Fondation Beyeler in Riehen/Basel. Nach hochkarätigem Besuch aus Hollywood mit dem Schauspieler Keanu Reeves zur Ausstellungseröffnung, folgte mit dem Schweizer Sänger Bastian Baker ein weiterer prominenter Gast. Der sympathische Singer-Songwriter gab den Auftakt zu der Aktion #GauguinSounds, bei der Persönlichkeiten aus Kunst, Musik, Kultur, Politik und Wirtschaft wie Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger, Liedermacher und Schriftsteller Franz Hohler, The Voice-Gewinnerin Nicole Bernegger und die Sängerin Anna Rossinelli zu jedem der gezeigten Werke eine Playlist mit individuellen Musikstücken zusammengestellt haben. Der Singer-Songwriter Reza Dinally war so sehr von den Gemälden inspiriert, dass er eigens fünf Songs geschrieben und aufgenommen hat. Mit den Konzerten von Marc Almond und Dominique Horwitz folgen weiter musikalische Highlights.

Musik und Bilder sind im Bewusstsein der meisten Menschen eng miteinander verknüpft. Um den Besuchern ein einmaliges audiovisuelles Erlebnis zu ermöglichen, haben für #GauguinSounds bekannte Persönlichkeiten, Museumsmitarbeiter- und Besucher zu jedem der gezeigten Werke Gauguins eine persönliche Playlist geschaffen. Diese können direkt in der Ausstellung aber auch zu Hause am Computer oder unterwegs auf dem Smartphone gehört werden. Jeder, der möchte, kann seine ganz persönlichen Songs mit dem Hashtag #GauguinSounds mit anderen Musikliebhabern teilen. Die Fondation Beyeler wird fortlaufend Playlists von Besuchern in die offizielle #GauguinSounds-WebApp aufnehmen. So wird der Musik-Guide die Ausstellung mit immer neuen, individuell ausgewählten Musikstücken begleiten.

Jacques Brel Liederabende in der Fondation Beyeler

In ihrer Sehnsucht nach exotischer Ferne und Unberührtheit zogen zunächst Paul Gauguin und Jahrzehnte später der grosse Chansonnier Jacques Brel auf die Marquesas-Insel Hiva Oa, wo heute beide, nur wenige Meter voneinander entfernt, begraben sind. Inspiriert durch diese Gemeinsamkeit treten zwei charismatische Sänger in der Fondation Beyeler zu unterschiedlichen Liederabenden auf. Auf die erste musikalische Zeitreise nimmt uns der britische Sänger und Songwriter Marc Almond, der mit seiner Band Soft Cell eine Ikone der 1980er Jahre ist und über 30 Millionen Tonträger weltweit verkaufte. Der begnadete deutsch-französische Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz entführt uns an einem zweiten klangvollen Abend in der Fondation Beyeler mit seiner Stimme in Jacques Brels Chanson-Welt. Bereits 2002 wurde Horwitz für sein Brel-Chanson-Programm mit dem Mephisto-Preis ausgezeichnet.
Marc Almond singt Jacques Brel
Donnerstag, 12. März 2015, 19.00 Uhr
Gemeinsam mit Neal Whitmore und Martin Watkins nimmt der britische Kultstar das Publikum mit auf eine musikalische Zeitreise durch das Werk des Chansonniers Jacques Brel, der ein Bewunderer Gauguins war.
Preis: CHF 85.- / ART CLUB, FREUNDE: CHF 70.-
Museumseintritt im Preis inbegriffen.
Dominique Horwitz singt Jacques Brel
Mittwoch, 15. April, 2015, 19.30 Uhr
Der deutsche Schauspieler und Sänger entführt die Gäste mit seiner Stimme in die Welt Jacques Brels.
Preis: CHF 65.- / ART CLUB, FREUNDE: CHF 40.-
Museumseintritt im Preis inbegriffen.
Tickets Ausstellung „Paul Gauguin“
Wer an dem Kunstereignis des Jahres 2015 teilnehmen möchte, der hat noch bis zum 28. Juni die Gelegenheit dazu. Für den Besuch in der Fondation Beyeler können neben dem gewöhnlichen Weg an der Museumskasse die Tickets auch online erworben werden. Erhältlich sind sie über Starticket, Ticketcorner und Reservix, sowie auf der Homepage der Fondation Beyeler unter www.fondationbeyeler.ch/ticket.

art Karlsruhe wird immer interesssanter

art KARLSRUHE: Treffpunkt der Kunst-Szene

„Wo sich Kunst trifft“, so lautet das Motto der zwölften art KARLRUHE, und es verweist damit auf den wichtigen Status der Messe als erfolgreiches Verkaufsforum und zugleich Branchentreff. Rund 50 000 Gäste lockt die Internationale Messe für Klassische Moderne und Gegenwartskunst – die 2015 mit 210 Galerien aus elf Ländern, 157 One-Artist-Shows und 19 Skulpturenplätzen aufwartet – jährlich in die Messehallen nach Rheinstetten.

ARTIMA art meeting Foto: KMK/ Jürgen Rösner
ARTIMA art meeting Foto: KMK/ Jürgen Rösner

Ob Sammler, Galeristen, Künstler, Kuratoren oder Journalisten – dank der positiven Resonanz von allen Seiten hat sich die art KARLSRUHE längst als unverzichtbarer Kunsttermin zum Saisonauftakt im Frühjahr etabliert. Auch 2015 erwartet die Messe zahlreiche prominente Persönlichkeiten des kulturellen Lebens.

Moderiert vom TV-Moderator Markus Brock, findet am Mittwoch, 4. März 2015, um 17 Uhr, die Vernissage in der Aktionshalle statt. Zum festlichen Auftakt der zwölften art KARLSRUHE reist Kulturstaatsministerin Monika Grütters MdB aus Berlin an, um die Messe offiziell zu eröffnen. Flankiert wird ihre Laudatio durch Grußworte von Jürgen Walter MdL, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, und Wolfram Jäger, Erster Bürger-meister der Stadt Karlsruhe. Der SWR2 nutzt den Eröffnungstag, um seine Reihe „Zeitgenossen“ direkt von der Messe zu senden: Um 15 Uhr führt im Foyer Ost Dietrich Brants einen Dialog mit dem Autor und Filmexperten Georg Seeßlen, und um 16 Uhr kann man den Hamburger Sammler Harald Falckenberg im Gespräch mit Susanne Kaufmann erleben.

Zur Eröffnungs-Pressekonferenz am Mittwoch, 4. März 2015, um 12 Uhr, ist Walter Smerling, Vorstandsvorsitzender der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. und Direktor des MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst in Duisburg, als Podiumsgast geladen. Zusammen mit Messe-Geschäftsführerin Britta Wirtz sowie Kurator und Projektleiter Ewald Karl Schrade wird er den Journalisten Rede und Antwort stehen. Auf renommierte Persönlichkeiten des Kunstbetriebs trifft man zudem bei der zweitägigen Diskussionsplattform ARTIMA art meeting.

In der Veranstaltung, die zur zwölften art KARLSRUHE um die Frage „Sammeln – mehr als eine Leidenschaft?“ kreist, beleuchten die von Carl Friedrich Schröer moderierten Gespräche unterschiedliche Perspektiven. Zu den Gästen am Donnerstag, 5. März, 14 Uhr, zählen sowohl der Redner der Pressekonferenz, Walter Smerling, als auch der Rechtsanwalt und Kunstexperte Peter Raue sowie die Sammlerin Marli Hoppe-Ritter, die in Waldenbuch bei Stuttgart das Museum Ritter betreibt. Am Freitag, 6. März, 14 Uhr, finden sich drei weitere Branchenkenner auf dem Podium ein: Götz Adriani, der langjährige Leiter der Kunsthalle Tübingen und Gründungsdirektor des ZKM | Museum für Neue Kunst, der Sammler Friedrich E. Rentschler, Ulm, und Rose-Maria Gropp, Redakteurin und Ressortleiterin Kunstmarkt der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

Bitte beachten Sie folgende Terminverschiebung: Die Verleihung des art KARLSRUHE-Preises am 6. März findet nicht, wie bisher angekündigt, um 17 Uhr, sondern um 18 Uhr in der Aktionshalle statt

Richard Avedon ab 17. Juli im Museum Brandhorst

 

RICHARD AVEDON. WANDBILDER UND PORTRÄTS
18. JULI BIS 09. NOVEMBER 2014 IM MUSEUM BRANDHORST

Richard Avedon: The Mission Council, Saigon, Südvietnam, 28. April 1971, Silbergelatine-Abzug 1975, 303,5 x 990,9 cm, Sammlung Udo und Anette Brandhorst © 2014 The Richard Avedon Foundation
Richard Avedon: The Mission Council, Saigon, Südvietnam, 28. April 1971, Silbergelatine-Abzug 1975, 303,5 x 990,9 cm, Sammlung Udo und Anette Brandhorst
© 2014 The Richard Avedon Foundation

Richard Avedon (1923- 2004) gilt als einer der bedeutendsten und einflussreichsten Modefotografen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Von 1945-65 arbeitete er für »Harper’s Bazaar« und wirkte mit seinen überaus lebendigen Inszenierungen der wichtigsten Modetrends jener Zeit von Anfang an stilprägend. 1966 wechselt er zu »Vogue« und blieb in leitender Funktion bis 1990 der Zeitschrift verbunden. Von 1980 an gestaltete er die jährlichen Werbekampagnen für Gianni Versace, ab 1985 arbeitete er für die französische Zeitschrift »Egoïste«, ab 1992 außerdem für »The New Yorker«.
Dieser hinlänglich bekannte und in Ausstellungen häufig dokumentierte Bereich seines Œuvres bleibt im jetzigen Projekt des Museums Brandhorst ausgeklammert. Der Akzent der Werkauswahl liegt vielmehr auf anderen Aspekten seines Schaffens. Neben der reinen Modefotografie, die die finanzielle Basis seines Wirkens garantierte, war es Avedons Aufgabe, für Reportagen oder Berichte über bedeutende Persönlichkeiten Porträts von ihnen zu machen. Ein weites Panorama der kulturellen und politischen Eliten Amerikas ist auf diese Weise entstanden. Ganz früh interessierte er sich für das anonyme Leben auf den Straßen Süditaliens oder New Yorks. In den reportageartigen Serien, die jahrzehntelang nicht veröffentlicht wurden, manifestiert sich Avedons soziales Interesse, das ihn dazu führte, sich in den 60er Jahren auf Seiten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung zu engagieren.

Politisch aufgeklärt und liberal eingestellt, begann er zwischen 1969 und 1971 vor dem Hintergrund der sozialen und politischen Unruhen und Veränderungen in den USA vier große fotografische Wandbilder zu schaffen, die in der Geschichte des Mediums von herausragender Bedeutung sind. Auf den zwischen sechseinhalb und zehn Meter breiten und zweieinhalb bis über drei Meter hohen Darstellungen sind die Gestalten teilweise überlebensgroß und in frontaler Position vor weißem Hintergrund nebeneinander aufgereiht. Es sind schattenlose Schwarzweißbilder von rigoroser Klarheit und einer extremen Sachlichkeit, die scheinbar die ästhetische Autonomie der Werke unterlaufen, so dass sie nicht sofort als Kunst wahrgenommen werden. Ihre eminente Wirkung resultiert vor allem aus der Intensität der unmittelbaren Konfrontation des Betrachters mit diesen Fotografien bzw. den dargestellten Personen.

Drei der vier Arbeiten, die Avedon realisiert hat, werden im Museum Brandhorst gezeigt. »Allen Ginsberg’s Family« (3. Mai 1970) zeigt den Wortführer der Beat- Generation und bedeutenden Dichter im Kreise seiner Familie. »Andy Warhol and members of the The Factory« (30. Oktober 1969) ist wegen der großen Werkkomplexe Warhols im Museum Brandhorst in München von besonderem Interesse. »The Mission Council« (28. April 1971) entstand während des Vietnamkriegs in Saigon und zeigt Befehlshaber der amerikanischen Streitkräfte und verschiedene Vertreter der Washingtoner Regierung.

Aus Platzgründen musste bedauerlicherweise auf »The Chicago Seven«
(5. November 1969) verzichtet werden. Hierbei handelt es sich um politisch links orientierte Intellektuelle, die 1968 gegen den Nationalkonvent der Demokraten demonstriert hatten. Sie wurden wegen vermeintlich verschwörerischer Aktivitäten und Gewalttaten festgenommen und angeklagt, wobei der Prozess wegen fadenscheiniger Begründungen der Staatsanwaltschaft und einem offensichtlich parteiischen Richter als juristische Farce Geschichte gemacht hat. Anders als in New York, wo die vier »murals« und weitere thematisch mit ihnen verbundene Werke im Sommer 2012 von der Gagosian Gallery gezeigt wurden, werden die Wandbilder im Museum Brandhorst durch drei andere Werkgruppen ergänzt. Es handelt sich dabei um eine Auswahl bewegender Porträts, die seit den 50er Jahren entstanden. Das breite Spektrum reicht von Francis Bacon und Brigitte Bardot bis Samuel Beckett, Truman Capote und Marcel Duchamp, schließt aber auch Bob Dylan und Marilyn Monroe sowie Buster Keaton und Ezra Pound ein. Der Physiker Robert Oppenheimer sowie der Gouverneur von Alabama, George Wallace, markieren gleichsam die Extreme des politischen Spektrums der Bürgerrechtskonflikte in den USA.

Eine weitere Werkgruppe umfasst 1963 entstandene Fotos aus einer psychiatrischen Klinik in Louisiana. Sie zeigen eine andere, dunkle Seite der Gesellschaft. Es sind teilweise Darstellungen von Menschen, die sich offenbar ihrer Situation und ihres Schicksals bewusst sind, aber auch solche, die sich in einer Art von Trance zu befinden scheinen als wären sie medikamentös ruhig gestellt worden.

Zwischen 1979 und 1984 bereiste Avedon im Auftrag des Amon Carter Museums von Fort Worth 17 westliche Staaten der USA und machte Aufnahmen von Bergarbeitern, Farmern, Fabrikarbeiten, Landstreichern und anderen, meist sozial degradierten Personen. Der Werkkomplex »In the American West« vergegenwärtigt den Niedergang der Öl- und Kohleförderung und anderer Wirtschaftszweige. Eine Auswahl der 152 x 120 cm großen Arbeiten ergänzt und verändert die Vorstellung von einem Künstler, der weit mehr war als ein der Werbung verpflichteter Modefotograf.

Die Bilder dieser Serie markieren einerseits die deprimierenden Schattenseiten des großen amerikanischen Traums, andererseits aber auch Stolz und Würde angesichts aussichtslos erscheinender Lebensumstände.

Avedon ist mit vielen renommierten Preisen ausgezeichnet worden, und sein Œuvre wurde und wird von den großen Museen in den USA und Europa vorgestellt und teilweise gesammelt. Die beeindruckende Retrospektive, die 1994 im Whitney Museum in New York stattfand, war anschließend in der Kunsthalle Köln zu sehen. Das Kunstmuseum Wolfsburg zeigte 2001 die Ausstellung »In the American West«, und die vom Louisiana Museum in Humlebaek 2007 organisierte Ausstellung »Photographs 1946-2004« war ein Jahr später im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen. Die exemplarischen Hinweise machen ebenso wie die vielen Veröffentlichungen über sein Werk deutlich, dass Avedon in Deutschland kein Unbekannter ist.

Das Projekt des Museums Brandhorst hat einen besonderen Anlass. Erstmals werden diejenigen Werke Avedons der Öffentlichkeit vorgestellt, die Eigentum der Udo und Anette Brandhorst Stiftung sind. Abgesehen von dem Wandbild »The Mission Council« sind es über dreißig Porträts und Fotos aus der Serie »In the American West«. Hinzu kommen einige Leihgaben aus Privatbesitz, während alle anderen Arbeiten von der Richard Avedon Foundation, New York, zur Verfügung gestellt werden. Ohne deren große Unterstützung hätte sich das Projekt nicht realisieren lassen. Überdies war die Gagosian Gallery bei Organisation und Einrichtung der Ausstellung in München behilflich.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der die gezeigten Werke abbildet. Der im Hirmer Verlag erscheinende Band enthält verschiedene Essais, u.a. von Bob Rubin, William Shawcross, Paul Roth, die einzelne Aspekte des Œuvres erläutern. Er ist zum Preis von ca. €59 an der Museumskasse erhältlich.

 

BRAIN-TUNING

BRAIN-TUNING: schneller, schlauer, konzentrierter 

presse-927von Siegfried Lehrl und Peter Sturm, Göttingen 2013

BusinessVillage Verlag

Dies ist kein Buch aus der Pharmaindustrie, die leistungssteigernde Pillen verkaufen möchte. Im Gegenteil werden auf rund 250 Seiten die Unterschiede zwischen „kristalliner und fluider Intelligenz“ herausgearbeitet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Methode, wie die Fähigkeit zur Entwicklung von Lösungsstrategien ausgebildet und trainiert werden kann (fluide Intelligenz) im Gegensatz zu Gedächtnistrainings à la ZDF – Zahlen, Daten, Fakten- (kristalline Intelligenz).

Als ich aber im Vorwort von Siegfried Lehrl den Satz lese „Seit kurzem scheint alles Wichtige auf dem Gebiet der gesellschaftlich relevanten Hirnleistungen untersucht zu sein . . . . Es wird sich  . . . in den nächsten Jahren nicht mehr wesentlich ändern“, beschlich mich unweigerlich ein seltsames Gefühl. Ist es Hybris oder die Fähigkeit des Autors, in die Glaskugel schauen zu können und die wissenschafliche Erkenntnis auf diesem Gebiet für abgeschlossen zu erklären ?

Nun – ganz so „abgehoben“ geht es in dem Buch nicht weiter.

Die Autoren belegen ihre Methode anhand vieler internationaler Studien und streuen immer wieder kleine Übungen zur Praxisanwendung ein, die lohnend sind, um das Gesagte direkt auch anwenden und überprüfen zu können.

Beide sind seit Jahren aktiv und federführend in der „Internationalen Gesellschaft für Gehirntraining e.V.“ (GfG) tätig und forschen auf dem Gebiet des „Gehirnjoggings“, aus dem das „Mentale Aktivierungstraining“ (MAT) entwickelt wurde.

Ähnlich wie für die Muskulatur im Sport gilt auch im mentalen Bereich, dass die grauen Zellen ihre volle Kraft nur entfalten, wenn sie erst einmal aufgewärmt und angedehnt wurden, durch Spiele und Rätsel zum Beispiel. Erst wenn sie ihre Betriebstemperatur erreicht haben, vollbringen sie Höchstleistungen.

Eine genaue Anleitung dazu erfährt der Leser in Kapitel 7 und 8, wo die Entwicklung der geistigen Leistungsfähigkeit in der SOMECO-Treppe beschrieben wird. (Somatic-MEntal-COmpetence).

Rundum eine gelungene Leistung der Diplom-Psychologen Dr. Siegfried Lehrl und Peter Sturm.

Empfehlenswert !

Hans – Josef Hinken