Stadt Heidelberg startet durch

 

Gute Personalarbeit zahlt sich aus

Die Stadt Heidelberg lässt aufhorchen – nicht nur durch ihr romantisches Flair, das sich bis in die tiefsten Täler der Rocky Mountains herum gesprochen hat, sondern hierzulande vor allem durch den hohen Grad der Mitarbeiterzufriedenheit ihrer ca. 2.600 Angestellten.

Im Vergleich zur ersten Personalbefragung vor gut 6 Jahren wurde in der zweiten Befragung Ende 2015 eine um 10% höhere Zufriedenheit festgestellt.

Gut 60 % der Mitarbeiter gaben ihren Fragebogen ab und Dreiviertel davon waren mit den Arbeitsbedingungen zufrieden bis sehr zufrieden.

Nur 6 % sind insgesamt weniger oder gar nicht zufrieden. Dazu gehören überwiegend Teilzeitbeschäftigte, die ihr Stundenkontingent gerne verändern würden.

Die Befragung bezog sich im Einzelnen auf die Bereiche:

Einrichtung des Arbeitsplatzes, Führungskultur / Personalgespräche, Vereinbarkeit von Familie, Karriere & Beruf, Chancengleichheit, Fort-und Weiterbildungen und Empfehlung des Arbeitgebers.

Bei der Zusammenarbeit im Team überschritt die Nennung „gut“ sogar die 80% Marke.

Gründe für diese Verbesserung lagen in den diversen internen und externen Maßnahmen, die Roland Haag, Leiter des Personal- und Organisationsamtes der Stadt Heidelberg in seiner Abteilung initiierte.

So wurde z.B. in der Studie „AVITA – aktiv und vital ins Alter“ zur körperlichen und mentalen Fitness, an der ca. 200 ältere Mitarbeiter*innen teilnahmen, die Beweglichkeit messbar gesteigert und dadurch der Krankenstand erheblich minimiert.

Betriebliches Gesundheitsmanagement

Das betriebliche Gesundheitsmanagement, zu dem auch Lebensarbeitszeit-Konten gehören, und der bewusste, respektvolle Umgang mit älteren Mitarbeitern tragen bereits sichtbare Früchte.

Ebenso machte die Abteilung Personal sehr gute Erfahrung mit einem Konzept zum Wissens- und Erfahrungstransfer, das von den Mitarbeitenden selbst aufgesetzt wurde.

Diese Ergebnisse machen deutlich, dass mit visionärer Sichtweise und pragmatischem Ansatz die Zufriedenheit am Arbeitsplatz gesteigert und die Motivation der Mitarbeiter um ein Vielfaches erhöht werden kann.

Dies gilt natürlich nicht nur für Beschäftigte in städtischen Verwaltungen – wie die Anfrage der SAP Zentrale bei der Stadt Heidelberg zeigt – sondern kann allen Unternehmen und Organisationen als Best-Practice-Beispiel dienen.

Wer sich die Verbesserung der Bedingungen am Arbeitsplatz auf die Fahne geschrieben hat, wird Anregungen auch auf den websites der Berufsgenossenschaften finden.

 

 

Erhöhtes Burnout-Risiko für Erzieherinnen

Kita-Stress: Viele Erzieherinnen haben ein erhöhtes Burnout-Risiko

Der Kita-Streik hat es einmal mehr ins öffentliche Bewusstsein gerückt: Erzieherinnen werden in Deutschland oft nicht gut bezahlt, und ihrer Arbeit wird vielfach zu wenig Wertschätzung entgegengebracht. „Oft wird übersehen, dass Erzieherinnen ein hohes Maß an Verantwortung tragen und vielfältige berufsspezifische Belastungen bewältigen müssen“, sagt Professor Johannes Jungbauer vom Institut für Gesundheitsforschung und Soziale Psychiatrie der Katholischen Hochschule Aachen. Wie stark und wodurch Erzieherinnen in ihrem Beruf belastet sind, hat er in einer Studie untersucht, die er in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ vorstellt (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2015).

Für die Erhebung hatten Jungbauer und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Sebastian Ehlen Fragebögen in Kindergärten und anderen Betreuungseinrichtungen verteilt, sowie ins Internet gestellt. Auf diese Weise erreichten sie 834 Erzieherinnen und Erzieher, die anonym die Fragen der an der Universität Köln entwickelten Burnout-Screening Skala (BOSS) beantworteten. Die Skala erfasst körperliche, psychische und psychosoziale Beschwerden, die typischerweise im Rahmen eines Burnout-Syndroms auftreten.

Wie die Auswertung ergab, fühlen sich Erzieherinnen und Erzieher deutlich stärker durch beruflichen Stress belastet als der Durchschnitt der Arbeitnehmer, für die BOSS-Referenzwerte vorliegen. Als Stressursachen gaben die Teilnehmer vor allem einen schlechten Betreuungsschlüssel mit zu großen Gruppen für zu wenige Erzieherinnen an. Der daraus resultierende Zeitdruck und das ständige „Multi-Tasking“ werden als sehr belastend erlebt – eine Situation, die sich weiter verschärft, wenn Kolleginnen krankheitsbedingt ausfallen. Als weitere belastende Faktoren wurden die Elternarbeit und die zunehmende Bürokratisierung des Kita-Alltags genannt.

Mit Zeitdruck und hohen Erwartungen haben auch Angehörige anderer Berufsgruppen zu kämpfen. „Aufgrund der kontinuierlichen Beziehungs- und Gefühlsarbeit ist der Erzieherinnenberuf jedoch psychisch oft sehr fordernd und anstrengend“, erläutert Johannes Jungbauer. Dabei rührt die Belastung offenbar gleichermaßen von der Arbeit mit den Kindern wie von der Elternarbeit her. Denn in der Studie klagten Erzieherinnen in sozialen Brennpunkten trotz schwierigerer Kinder nicht über höhere Stressbelastungen als Erzieherinnen, die in privilegierten Wohnvierteln arbeiteten. „Je gehobener das Wohnumfeld, desto höher sind offenbar die Ansprüche der Eltern und desto stärker der dadurch erlebte Druck“, so die Analyse der Aachener Wissenschaftler.

Der Stress in der Kita bleibt nicht ohne gesundheitliche Folgen – auch das zeigt die Studie: Je größer die Stressbelastung, desto höher ist auch das Risiko für Schlafprobleme, für einen Verlust an Lebensfreude, für die Unfähigkeit abzuschalten und für eine stärkere Infektanfälligkeit. Fast jeder fünfte Teilnehmer weist BOSS-Werte auf, die auf ein stark erhöhtes Burnout-Risiko hindeuten.

Um die Arbeitsbedingungen für die Erzieherinnen substanziell zu verbessern, sei nicht nur eine bessere Personalausstattung erforderlich, so die Studienautoren. Auch Fortbildungen, etwa zur Gestaltung der Elternarbeit, zur Selbstfürsorge oder zur Verbesserung der kollegialen Zusammenarbeit seien sinnvolle Maßnahmen. „Das gibt es nicht zum Nulltarif“, sagt Jungbauer. Investitionen in diesem Bereich zahlten sich aber langfristig aus – nicht zuletzt durch eine verbesserte Betreuungsqualität für die Kinder.
J. Jungbauer und S. Ehlen:
Stressbelastungen und Burnout-Risiko bei Erzieherinnen in Kindertagesstätten: Ergebnisse einer Fragebogenstudie
Das Gesundheitswesen 2015; 77 (6); S. 418-423

Erinnerungen beeinflussen Entscheidung für oder gegen bestimmtes Essen

Je besser wir uns an etwas erinnern, desto eher entscheiden wir uns dafür – auch wenn das Angebot weniger attraktiv ist als Alternativen.

Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Universität Basel belegen in einer Studie, in der verschiedene Essensangebote zur Wahl standen, wie das Gedächtnis die Entscheidungen beeinflusst. Mithilfe von Gehirnscans konnten die Forscher zeigen, dass diesem Einfluss eine verstärkte Kommunikation zwischen den beteiligten Hirnarealen zugrunde liegt. Ihre Studienergebnisse sind jetzt in der Wissenschaftszeitschrift Neuron erschienen.

„Viele unserer alltäglichen Entscheidungen wie zum Beispiel ´In welches Restaurant gehen wir essen?´ stützen sich auf den Abruf relevanter Informationen aus dem Gedächtnis. Die neuronalen und kognitiven Mechanismen solcher Entscheidungen sind aber bisher kaum untersucht worden“, erläutert Prof. Dr. Christian Büchel, Direktor des Instituts für Systemische Neurowissenschaften des UKE. Bekannt ist, dass bei diesen Gehirnprozessen der Hippocampus, eine klassische „Gedächtnis-Region“, und der ventromediale präfrontale Kortex im Stirnlappen, eine „Entscheidungs-Region“, beteiligt sind.

In der Studie hatten 30 hungrige, jüngere Probanden eine Aufgabe zu lösen, bei der sie zunächst 48 Snacks danach zu bewerten hatten, wie sehr sie sie mögen – etwa Chips und Schokoladenriegel, Salzgebäck und Gummibonbons. Anschließend mussten sie sich im Magnetresonanztomographen (MRT) wiederholt zwischen je zwei Essensangeboten entscheiden. Die Snacks wurden ihnen, verbunden mit bestimmten Orten, auf dem Computerbildschirm präsentiert. Bei der Entscheidung wurden dann aber nur die Orte gezeigt, sodass sich die Probanden an die dazugehörigen Snacks erinnern mussten.

Als Ergebnis bevorzugten die Probanden tendenziell Snacks, an die sie sich besser erinnerten. Mehr noch: Besser erinnerte Snacks wurden auch dann gewählt, wenn sie vergleichsweise unattraktiv waren, also von den Probanden initial schlecht bewertet wurden. Einzig Snacks, die jemand in der Bewertung sehr stark ablehnte, wurden nicht gewählt. Der Vergleichsgruppe mit ebenfalls 30 Probanden wurden die Snacks direkt im Bild präsentiert – bei ihnen deckte sich in der Regel die erste Bewertung mit der späteren Entscheidung.

Die neuronalen Mechanismen der gedächtnisbasierten Entscheidungen untersuchte die Forschungsgruppe mithilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie (fMRT) im UKE. Sie entwickelten ein mathematisches Modell, das den Entscheidungsprozess abbildet und den Einfluss des Gedächtnisses mit berücksichtigt. Damit konnten die Wissenschaftler die Stärke der gedächtnisbasierten Aktivierung während der Abspeicherung im Hippocampus bestimmen. Eine Analyse der Aktivierung während der Entscheidungen zeigte, dass eine verstärkte Kommunikation von Hippocampus und dem ventromedialen präfrontalen Kortex stattfindet.

„Unsere Untersuchung bildet eine Brücke zwischen zwei zentralen Forschungsfeldern der Psychologie, der Gedächtnis- und der Entscheidungsforschung“, erläutert der Erstautor der Studie,  Dr. Sebastian Gluth, ehemals Institut für Systemische Neurowissenschaften des UKE, jetzt Fakultät für Psychologie der Universität Basel. Die Kombination von mathematischer Modellierung und den Gehirnscans liefert zudem ein genaues Verständnis darüber, welche Gehirnareale an welchen psychologischen Teilprozessen beteiligt sind und wie die verschiedenen Areale miteinander zusammenspielen. Die Studie entstand in Kooperation mit Dr. Tobias Sommer und Prof. Dr. Christian Büchel, beide ebenfalls aus dem Institut für Systemische Neurowissenschaften des UKE, und Prof. Jörg Rieskamp, Fakultät für Psychologie der Universität Basel.

Literatur:

Sebastian Gluth, Tobias Sommer, Jörg Rieskamp, and Christian Büchel Effective connectivity between hippocampus and ventromedial prefrontal cortex controls preferential choices from memory, Neuron 2015, epub ahead of print. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.neuron.2015.04.023

Die psychische Gesundheit im Beruf schützen

Das gemeinsame Forschungsprojekt „Resilire“ der Universitäten Freiburg und Erlangen-Nürnberg ist gestartet

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Mit Herausforderungen im Beruf erfolgreich umgehen, stressige Phasen meistern und sogar gestärkt daraus hervorgehen: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Erlangen-Nürnberg erforschen im Verbundprojekt „Resilire – Altersübergreifendes Resilienz-Management“, welche Eigenschaften, Einstellungen und Fähigkeiten sich positiv auf die psychische Widerstandskraft – die so genannte Resilienz – von Beschäftigten auswirken. Auf dieser Grundlage entwickeln sie in Kooperation mit dem Softwareunternehmen Haufe Lexware und der Gesellschaft aufgabenorientiertes Lernen für die Arbeit e.V. (GALA) Online- und Präsenzcoachings, die die psychische Gesundheit der Teilnehmenden schützen und fördern. An der Universität Freiburg sind Dr. Nina Pauls, Dr. Christian Schlett und die Projektleiterin Prof. Dr. Anja Göritz von der Professur für Wirtschaftspsychologie an dem Vorhaben beteiligt.

Die Onlinecoachings entwickeln die Wissenschaftler zusammen mit Haufe Lexware. „Unsere konzeptionellen Vorarbeiten fließen mit dem Fachwissen von Haufe Lexware zu den Themen E-Learning und Weiterbildung zusammen“, erklärt Pauls. „Ziel ist ein Produkt mit Übungen, die leicht in den Arbeitsalltag integrierbar sind.“ Die Beschäftigten sollen sich selbst beobachten, indem sie in regelmäßigen Abständen Fragen zu ihrem arbeitsbezogenen Befinden beantworten. Dabei stufen sie sich selbst auf einer jeweils vorgegebenen Skala ein. Auf der Grundlage der so erhobenen Messdaten setzen sie sich mit ihrer Situation auseinander und erkennen, welche Fortschritte sie machen.
Die Präsenzcoachings erarbeiten die Wissenschaftler gemeinsam mit GALA. „Das Angebot soll Teilnehmende in den Unternehmen dazu anregen, sich über ihre Strategien im Umgang mit Belastungen und Stress bei der Arbeit auszutauschen und voneinander zu lernen“, sagt Schlett. Firmen wie die Volksbank Freiburg als maßgeblicher regionaler Partner werden die Konzepte erproben. Ansätze zur Weiterentwicklung der Resilienz der gesamten Organisation sind ebenfalls Teil des Projekts: Teams aus Beschäftigten sollen sich mit Hemmnissen und Fördermöglichkeiten für Resilienz in Arbeitsorganisation und -abläufen sowie in der Zusammenarbeit auseinandersetzen.

Ziel ist zudem, die Erkenntnisse aus Resilire in einem ganzheitlichen und altersübergreifenden Konzept zusammenzuführen und Leitlinien für ein betriebliches Resilienz-Management zu formulieren. „Mit den entwickelten Ansätzen können Betriebe die psychische Gesundheit ihrer Beschäftigten erhalten und stärken“, sagt Pauls. „Sie erschließen Resilienz als betriebliche Ressource und tragen damit langfristig zum wirtschaftlichen Erfolg bei.“

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Resilire im Förderschwerpunkt „Betriebliches Kompetenzmanagement im demografischen Wandel“ mit insgesamt 1,1 Millionen Euro für drei Jahre. Die Projektkoordination hat die Universität Erlangen-Nürnberg inne. Ein Netzwerk von zehn Umsetzungs- und Transferpartnern unterstützt die Verwertung der Projektergebnisse in der betrieblichen Praxis.

www.resilire.de

Unsere Art zu Gehen beeinflusst, was wir uns merken

Prof. Dr. Johannes Michalak von der Universität Witten/Herdecke erforschte mit Kollegen aus Kanada

den Zusammenhang von Gang und emotionalem Gedächtnis /Biofeedback könnte bei Depression helfen

Wer mit hängenden Schultern dahinschlurft, wird sich eher an negative Dinge erinnern, wer fröhlich läuft, kann sich eher positive Dinge merken – so kann man die Studie von Prof. Dr. Johannes Michalak von der Universität Witten/Herdecke zusammenfassen. Er hat sie mit Kollegen von der Kanadischen Queen’s University nun veröffentlicht. (Abstract unter http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0005791614000809)

„Viele Studien belegen, dass Bewegung bei Depressionen hilfreich ist, gehen, laufen, wandern. Wir wollten wissen, ob auch die Art des Ganges Einfluss auf depressionsrelevante Prozesse hat“, beschreibt Prof. Dr. Johannes Michalak, Psychologe an der Universität Witten/Herdecke, den Ansatz. Aus früheren Untersuchungen wissen die Forscher, wie Depressive und nicht Depressive gehen (http://biomotionlab.ca/Demos/BMLdepression.html). In der aktuellen Untersuchung haben sie das Gangmuster der Probanden (39 Studierende) so verändert, dass sie entweder fröhlicher oder depressiver gelaufen sind als normal. Dann haben sie ihnen positive (z.B. mutig, attraktiv) oder negative Wörter (z.B. langweilig, dumm) dargeboten und sie sollten entscheiden, ob sie diese Wörter beschreiben. Nach acht Minuten wurde dann ein nicht angekündigter Gedächtnistest durchgeführt. Probanden, die depressiv gelaufen sind, haben mehr negative Wörter behalten (ein Muster, das auch immer wieder bei Depressiven gefunden wird), während Probanden, die fröhlich gelaufen sind, sich mehr positive Wörter gemerkt haben.

„Das zeigt uns, dass unsere Art sich zu bewegen Auswirkung darauf hat, ob wir eher positive oder negative Informationen verarbeiten. Es gibt also einen Zusammenhang zwischen Körper, hier der Gangart, und der Psyche, hier der Art, welche Informationen wir uns merken. Solche Ergebnisse könnten in Zukunft dazu verwendet werden, Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen zu entwickeln, die über eine Veränderungen von körperlichen Prozessen wirken“, erklärt Michalak.

Kay Gropp Pressestelle
Universität Witten/Herdecke

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Johannes Michalak, 02302- 926 787, johannes.michalak@uni-wh.de

Über uns:
Die Universität Witten/Herdecke (UW/H) nimmt seit ihrer Gründung 1983 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein: Als Modelluniversität mit rund 1.800 Studierenden in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft und Kultur steht die UW/H für eine Reform der klassischen Alma Mater. Wissensvermittlung geht an der UW/H immer Hand in Hand mit Werteorientierung und Persönlichkeitsentwicklung.

Wenn der Urlaub zur Arbeitszeit wird, bleibt die Erholung auf der Strecke

Personal

Drei von vier Berufstätigen sind im Urlaub erreichbar

  • 61 Prozent beantworten Anrufe, 54 Prozent E-Mails
  • Rund jeder fünfte Berufstätige macht im Sommer keinen Urlaub
Berlin, 8. Juli 2014 – Die große Mehrheit der Berufstätigen ist auch in den Sommerferien für Kollegen, Vorgesetzte oder Geschäftspartner erreichbar. Mehr als drei Viertel der Berufstätigen (76 Prozent), die im Sommer Urlaub haben, beantworten gleichwohl dienstliche E-Mails oder Anrufe. Das hat eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Hightech-Verbands BITKOM ergeben. Ans Telefon gehen dabei 61 Prozent der Urlauber, E-Mails lesen und beantworten 54 Prozent. „So erfreulich die hohe Identifikation der Beschäftigten mit ihrer Arbeit ist, Berufstätige müssen in den Ferien einmal richtig abschalten können“, kommentiert BITKOM-Präsident Prof. Dieter Kempf das Umfrageergebnis. „Moderne Kommunikationsmittel zu nutzen um im Notfall erreichbar zu sein ist das eine, den Erholungswert eines Urlaubs jedoch durch regelmäßige dienstliche Korrespondenz zu gefährden, ist etwas anderes.“Nicht einmal jeder vierte Urlauber (24 Prozent) schaltet komplett ab und ist beruflich nicht erreichbar. Bei den Jüngeren bis 29 Jahre sind es mit 30 Prozent die meisten, bei den Beschäftigten ab 30 Jahren sind es rund 22 Prozent. Die Jüngeren beantworten dabei seltener Telefonanrufe (50 Prozent), aber häufiger Mails (56 Prozent). Bei den 50- bis 64-Jährigen wird häufiger das Telefon genutzt (64 Prozent) als E-Mail (48 Prozent). Rund jeder fünfte Berufstätige (18 Prozent) hat in den Sommermonaten keinen Urlaub.

Methodik: Das Meinungsforschungsinstitut Aris hat im Auftrag des BITKOM 1006 Personen ab 14 Jahren befragt, darunter 620 Berufstätige. Die Umfrage ist repräsentativ.

Wussten Sie schon, dass Stress ansteckend ist?

Dein Stress ist auch mein Stress

Dr Harald Rösch Wissenschafts- und Unternehmenskommunikation
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Allein das Beobachten stressiger Situationen kann eine körperliche Stressantwort auslösen

Stress ist ansteckend. Es kann ausreichen, eine andere Person in einer stressigen Situation zu beobachten, damit der eigene Körper das Stresshormon Kortisol ausschüttet. Zu diesen Ergebnissen kommen Wissenschaftler in einem groß angelegten Kooperationsprojekt zwischen den Abteilungen von Tania Singer am Leipziger Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften und Clemens Kirschbaum von der Technischen Universität Dresden. Empathischer Stress trat besonders häufig auf, wenn Beobachter in einer Paarbeziehung zu der gestressten Person standen und das Geschehen direkt über eine Glasscheibe verfolgen konnten. Aber auch wenn fremde Personen lediglich auf einem Bildschirm zu sehen waren, versetzte das einige Menschen in Alarmbereitschaft. In unserer von Stress geprägten Gesellschaft ist dieser empathisch vermittelte Stress ein nicht zu vernachlässigender Faktor für das Gesundheitswesen.

Stress ist heutzutage einer der wichtigsten Krankheitsauslöser. Er verursacht verschiedene psychische Probleme wie Burn-out, Depression oder Angstzustände. Selbst wer ein relativ entspanntes Leben führt, kommt ständig mit gestressten Personen in Berührung. Ob bei der Arbeit oder im Fernsehen: Irgendwer hat immer gerade Stress, und dieser kann auf die Umwelt abfärben. Nicht nur gefühlt, sondern auch körperlich messbar als erhöhte Konzentration des Stresshormons Kortisol.

„Dass wir diesen empathischen Stress in Form einer bedeutsamen Hormonausschüttung wirklich messen konnten, war schon erstaunlich“, sagt Veronika Engert, eine der Erstautorinnen der Studie. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es in vielen Untersuchungen nicht gelingt, das Stresssystem mittels direkt erlebtem Stress zu aktivieren. Empathische Stressreaktionen konnten unabhängig („stellvertretender Stress“) oder proportional („Stressansteckung“) zu den Stressreaktionen der aktiv gestressten Probanden sein. „Es scheint also eine Möglichkeit der Übertragung zu geben, die abhängig vom Empfinden anderer eine Stressantwort bei uns auslöst.“

Beim Stresstest mussten die Probanden mit schwierigen Kopfrechenaufgaben und Vorstellungsgesprächen kämpfen, während zwei vermeintliche Verhaltensanalysten ihre Leistung beurteilten. Nur fünf Prozent der direkt gestressten Probanden ließen sich nicht aus der Ruhe bringen, alle anderen zeigten eine physiologisch bedeutsame Erhöhung des Kortisol-Spiegels.

Insgesamt zeigten 26 Prozent Beobachter, die selbst keinerlei Stress ausgesetzt waren, einen physiologisch bedeutsamen Anstieg von Kortisol. Der Effekt war besonders stark, wenn Beobachter und gestresste Person eine partnerschaftliche Beziehung verband (40 Prozent), aber auch bei völlig fremden Menschen sprang der Stress immerhin noch auf zehn Prozent der Beobachter über. Emotionale Verbundenheit ist demzufolge keine Voraussetzung für empathischen Stress.

Konnten die Beobachter das Geschehen direkt verfolgen, reagierten 30 Prozent gestresst. Aber selbst wenn der Stresstest nur auf dem Bildschirm flimmerte, reichte das aus, um bei 24 Prozent der Beobachter die Kortisol-Spiegel in die Höhe zu treiben. „Das bedeutet, dass selbst Fernsehsendungen, die mich mit dem Leid anderer konfrontieren, den Stress auf mich übertragen können“, sagt Engert. „Stress hat ein enormes Ansteckungspotential.“

Ein Problem ist Stress vor allem dann, wenn er chronisch wird. „Eine hormonelle Stressreaktion hat evolutionär natürlich auch einen Sinn. Wenn sie einer Gefahr ausgesetzt sind, dann wollen sie auch, dass ihr Körper mit einem Anstieg des Stresshormons reagiert“, erklärt Engert. „Aber konstant erhöhte Kortisol-Werte sind nicht gut. Auf Dauer leiden darunter z.B. das Immunsystem und die Nervenzellen.“ Von potenziell schädlichen Konsequenzen empathischen Stresses sind daher besonders Menschen in Helferberufen oder Angehörige dauergestresster Personen betroffen. Wer ständig direkt mit dem Leid und Stress anderer konfrontiert wird, der hat ein erhöhtes Risiko auch selbst darunter zu leiden.

Mit einem anderen Vorurteil räumen die Ergebnisse hingegen auf: Männer und Frauen reagierten gleich häufig mit empathischem Stress. „Auf Fragebögen schätzen Frauen sich als empathischer ein, als Männer dies tun. Bisher konnte das jedoch noch in keinem Experiment, das objektive biologische Marker verwendete, nachgewiesen werden.“ Zukünftige Studien sollen zeigen, wie genau der Stress übertragen wird und was getan werden kann, um den negativen Einfluss von Stress auf die Gesellschaft zu verringern.

Originalpublikation:
Engert, V., Plessow, F., Miller, R., Kirschbaum, C., & Singer, T.
Cortisol increase in empathic stress is modulated by social closeness and observation modality.
Psychoneuroendocrinology, 17. April 2014

Anmerkung:

Stress und Burnout gehen oft eine ungute Verbindung für den Betroffenen ein. Leider warten viele Menschen, besonders im Management, zu lange, ehe sie aktiv etwas für ihre Gesundheit tun. Ein qualifieziertes Coaching – wie es von Hans-Josef Hinken angeboten wird, kann dabei helfen, den Stress abzubauen. Für mehr Erfolg im Beruf und mehr Zufriedenheit im Privatleben.